100 Jahre Wohnbau Mainz

Gündungsfoto von 1917

Bereits seit seiner Gründung hat das Unternehmen einen klaren Auftrag: Preisgünstigen Wohnraum für die Menschen zu schaffen, die ihn dringend benötigen. Diesem Grundsatz ist die Wohnbau Mainz bis heute treu geblieben.

Wie alles begann ...
Mainz wandelte sich Ende des 19. Jahrhunderts von der Festungsstadt zum Industriestandort. Die Wohnsituation war verheerend, die Stadt musste handeln. Bürgermeister Dr. Erwin Gündert und Oberbürgermeister Dr. Emil Göttelmann stellten die Weichen neu und riefen zur Gründung einer Gesellschaft auf, die preisgünstige Wohnungen errichten sollte. Mit Erfolg: 29 Mainzer Firmen und Privatpersonen gründeten mit der Stadt Mainz am 16. März 1917 die "GmbH zur Errichtung von Kleinwohnungen", aus der die heutige Wohnbau Mainz hervorging.

Zerstörtes und zerteiltes Mainz
Es begann mit der "Kostheimer Siedlung". Die eingemeindeten rechtsrheinischen Gebiete Amöneburg,
Kastel (1908) und Kostheim (1913) waren die dringend benötigten Gebietsreserven für die wirtschaftliche Entwicklung von Mainz. Hier wuchs die Großindustrie rasant, der Wohnungsbedarf stieg. Linksrheinisch zog der Wohnungsbau ebenfalls an. Der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid über die Mainzer Bevölkerung. Seit 1940 litt sie unter Luftangriffen. Verheerend waren die britischen Bombardements im August 1942 und Februar 1945. Die Bausubstanz der Stadt wurde zu über 50 Prozent vernichtet. Das "Goldene Mainz" war am Ende des Krieges zerstört. Doch es kam noch schlimmer. Die US-Militärs stellten Amöneburg, Kastel und Kostheim unter Wiesbadener Verwaltung, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg gingen zurück in die Selbstständigkeit. Die Zerteilung kostete Mainz fast seine gesamte Industrie und enorm viel Wirtschaftskraft. Nach Kriegsende ging es vorrangig darum, den Menschen wieder ein "Dach über dem Kopf" zu geben. Ab 1962 firmierte die Gesellschaft als "Wohnbau Mainz GmbH". Gestärkt von den Gesellschaftern investierte das Unternehmen und errichtete in dieser Zeit rund 2.500 Wohnungen. Der Bedarf war riesig, denn Mainz wuchs schnell, war wieder Großstadt.

Das "Neue Mainz"
Für die Stadtentwicklung war klar, die erforderlichen neuen Wohnflächen konnten nicht in der ohnehin schon eng bebauten Innenstadt realisiert werden. Das erste große Bauprojekt entstand ab 1959 als "Wohnpark" auf einer ursprünglich militärisch genutzten Fläche von etwa 250.000 Quadratmetern auf dem Hartenberg. Im Frühjahr 1963 begannen die Arbeiten an der "Berliner Siedlung". Das Baugebiet befand sich südlich vom Rodelberg an der Geschwister-Scholl-Straße in der Oberstadt. Das weitaus größte und auch am heftigsten diskutierte Projekt war die Mainzer "Jubiläumssiedlung", die später den Namen "Lerchenberg" erhielt. Die Erschließung begann 1966; bereits im September 1967 zogen die ersten Bewohner ein. Die Wohnbau Mainz errichtete auf dem Lerchenberg 310 der standardisierten Eigenheime und über 400 Mietwohnungen. Außerdem betreute sie rund 700 der privaten Bauherrn. Mitte Februar 1966 fand der Spatenstich für das ZDF-Sendezentrum statt. Damit erhielt der Lerchenberg seine Identität als einer der wichtigsten deutschen Medienstandorte.

Altstadt – Herz von Mainz
Obwohl die Altstadt von den Bombenangriffen verschont geblieben war, befand sich das Quartier in einem desaströsen Zustand. In die Gassen um den Dom gelangte kaum Licht, an Freiflächen mangelte es ebenfalls. Die Bausubstanz vieler Gebäude war marode, 49 Prozent des Bestandes stufte man bei der Bestandsaufnahme im Jahr 1970 als abbruchreif ein. Zu dieser Zeit gab es 2.737 Wohnungen in der Altstadt, die Hälfte davon hatte weder Toilette noch Bad oder Dusche. Die meisten Wohnungen waren zu klein. Von zeitgemäßem Wohnen konnte keine Rede sein. Erst 1963 konnten die Weichen für die Zukunft der Mainzer Altstadt neu gestellt werden. Der Bund hatte endlich erkannt, dass historisch gewachsene Strukturen zur städtebaulichen DNA gehören und dringend geschützt werden müssen. Erstmals stellte er entsprechende Sanierungsmittel zur Verfügung. Die Wohnbau Mainz avancierte in dem Sanierungsgebiet zum größten Investor und setzte an vielen Stellen Akzente, um die Qualitäten des historischen Erbes für die Zukunft nachhaltig zu sichern und den Altstadtbewohnern ein neues Zuhause zu geben. Es gelang, die Historie des Quartiers zu wahren und dennoch die Brücke zur Moderne zu schlagen. Die Altstadt erhielt so eine neue Identität und ist heute für Jung und Alt attraktiver Anziehungspunkt.

Chance für neue Quartiere
Anfang der 80-er Jahre waren in Mainz über 4.400 Haushalte als wohnungssuchend registriert.  Anderen Städten – insbesondere attraktiven Wirtschafts- und Hochschulstandorten – ging es ähnlich. Zudem brachte der verstärkte Zuzug von Menschen aus den osteuropäischen Ländern und infolge der Wiedervereinigung zusätzliche Dynamik. Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte boten sich neue Entwicklungsmöglichkeiten, die dem innerstädtischen Wohnungsbau zum Aufschwung verhelfen sollten und von denen Mainz bis heute profitiert. So baute die Wohnbau im Stadtteil Finthen 116 Wohnungen auf vormals militärisch gewidmeten Flächen in der Huttenstraße und Am Weisel sowie auf dem ehemaligen Militärflughafen Layenhof. Ein weit größeres Konversionsprojekt ging im Stadtteil Hartenberg Münchfeld in die Umsetzung. Ein weiteres Konversionsprojekt – in seiner Dimension für Mainz bisher einzigartig – entstand mit dem Wohnpark "Am großen Sand" im Stadtteil Gonsenheim. Parallel zur Entwicklung von Konversionsflächen trieb die Wohnbau auch in anderen Stadtteilen den Wohnungsbau voran. In der Neustadt errichtete sie in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends den "Goethepark" auf dem ehemaligen Grundstück der Firma Simon & Kräuter KG an der Sömmerring- und Wallaustraße mit insgesamt 167 Eigentumswohnungen und drei Gewerbeeinheiten. Es folgten große Bauprojekte in der Altstadt. Dort erwarb die Gesellschaft im Jahr 2000 die Grundstücke des ehemaligen Großhandelskaufhauses Etex am Kästrich sowie Flächen im Umfeld.

Neuausrichtung - Wohnbau heute gut aufgestellt
Deutschlandweit kam der Wohnungsneubau im Jahr 2007 beinahe zum Erliegen: In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden mit eine Volumen von 87.500 Wohnungen über 40 Prozent weniger Baugenehmigungen erteilt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ein Tiefstand der in den kommenden zwei Jahren infolge der Bankenkrise noch einmal deutlich übertroffen werden sollte. Genau in diesem zeitlichen und wirtschaftlichen Kontext übertrug die Stadt der Wohnbau die Entwicklung von Prestigeobjekten. Beispielhaft dafür sind der Um- und Ausbau des Proviantmagazins, die Entwicklung der Markthäuser und die Neugestaltung des Südbahnhofareals. Mit der Zuspitzung der Finanzkrise offenbarten sich strategische und operative Fehler, der Wohnbau drohte die Schieflage. Eine grundlegende Kursänderung musste her. Der unter neuer personeller Führung erarbeiteten Strategie zur Konsolidierung des Unternehmens stimmten die Gesellschaftsorgane und der Stadtrat zu. Das Unternehmen setzte seine Finanzierungsstruktur komplett neu auf. Die Stadt festigte diesen Kurs. Die konsequente Umsetzung der Neuausrichtung zeigt Wirkung: Verbindlichkeiten konnten um mehr als 300 Millionen Euro abgebaut werden und das Eigenkapital steigt kontinuierlich.

Hohe Wohnqualität
Das Portfolio der Wohnbau ist durch eine hohe Anzahl älterer Gebäude geprägt. Rund 60 Prozent der insgesamt mehr als 1.360 Wohngebäude sind vor 1970 entstanden. Ihre stetige Modernisierung und Instandhaltung sind für das Unternehmen zukunftssichernd. Wohnkomfort, Technik und energetischer Zustand der Gebäude müssen Zug um Zug den heutigen Anforderungen angepasst werden. So umfassen Modernisierungsmaßnahmen vorrangig die Anpassung der Bäder, neue Elektroinstallationen, die Schaffung barrierefreier Zugänge und Schwellenlosigkeit in den Wohnungen. Zudem werden energetische Konzepte bei Heizungsanlagen, Fenstern und Dämmung der Gebäude umgesetzt. Oft wird das Wohnumfeld neu gestaltet. Aktuell werden im Schnitt jährlich rund zwölf Millionen Euro für die Modernisierung von Wohnungen budgetiert. So konnten seit 2011 bis Ende 2016 insgesamt 1.008 Wohnungen in den Stadtteilen Lerchenberg, Weisenau, Mombach und Hartenberg-Münchfeld auf neuen Stand gebracht werden. Mit Investitionen in die energetische Ertüchtigung der Gebäude sichert die Wohnbau nicht nur die Vermietungsfähigkeit ihres Bestandes, sondern reduziert vor allem den Energiebedarf. So verringert sich der CO2-Ausstoß und es wird ein Beitrag dazu geleistet, das Stadtklima langfristig positiv zu verbessern.

Gutes und sicheres Wohnen
Bei der Bewirtschaftung ihrer Bestände setzt die Wohnbau auf soziale Ausgewogenheit. Erklärtes Ziel ist es, den Anteil des geförderten Wohnungsbestands im Portfolio bei rund 40 Prozent zu halten. Dabei unterstützen die Landesprogramme für die soziale Wohnraumförderung. Zudem will die Wohnbau Mainz günstigster Wohnungsanbieter vor Ort bleiben: In vier von fünf ihrer 10.400 Wohnungen liegen die Vertragsmieten heute unter oder am Median des Mietspiegels, sind also für die angespannten Wohnungsmarktverhältnisse in Mainz günstig. Eine Wohnung ist das Zuhause eines Menschen, es reicht nicht aus, nur "ein Dach über dem Kopf" anzubieten. Die Gesellschaft verändert sich mit hoher Dynamik, deshalb ist neben einem professionellen technischen und kaufmännischen Wohnungsmanagement auch ein soziales Engagement erforderlich.

Mainz wächst und baut
Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Diese Entwicklung ist auch in Mainz zu beobachten,
was die Wohnsituation zunehmend verschärft. In der Mainzer Wohnungspolitik ist die Schaffung
und Erhaltung von bezahlbarem Wohnraum einer der wichtigsten Grundsätze. Damals wie heute bietet die Wohnbau Mainz ihren Mieterinnen und Mietern ein gutes und sicheres Zuhause. In den kommenden Jahren wird das Unternehmen maßgeblich dazu beitragen, dass die Mieten in Mainz bezahlbar bleiben. Zudem unterstützt die Wohnbau die Pläne der Stadt, bis zum Jahr 2020 rund 6.500 neue Wohnungen zu errichten.

Sie wollen mehr über die Geschichte der Wohnbau Mainz erfahren? Unser Buch "100 Jahre Wohnbau Mainz" erläutert die Unternehmensgeschichte der Wohnbau Mainz ausführlich und ist über den AZ-Shop am Markt erhältlich. 

.