Was bewegt eine Stadt? Was prägt das Wohnen, das Arbeiten und das Leben in einer bestimmten Zeit? Antworten auf diese Fragen wurden jetzt symbolisch in der Großen Langgasse versiegelt: Die Wohnbau Mainz hat dort im Rahmen ihres Neubauprojekts eine Zeitkapsel befüllt – als Gruß an kommende Generationen und als Momentaufnahme unserer heutigen Stadtgesellschaft.
Die Idee zur Zeitkapsel entstand gemeinschaftlich: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohnbau aus unterschiedlichen Bereichen haben gemeinsam überlegt, welche Gegenstände und Dokumente den Alltag, die Arbeitswelt und das Lebensgefühl unserer Zeit am besten widerspiegeln. „Eine Zeitkapsel ist mehr als ein Behälter – sie ist ein Versprechen an die Zukunft, unsere Geschichte sichtbar zu machen“, so der Tenor innerhalb des Unternehmens.
Zur feierlichen Befüllung kamen neben den Mitarbeitenden auch der Mainzer Oberbürgermeister sowie die Sozialdezernentin und Finanzministerin der Stadt Mainz zusammen. Gemeinsam begleiteten sie den Moment, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisch miteinander verbunden wurden.
„Mainz war schon immer eine Stadt im Wandel, geprägt von ihrer Geschichte und gestaltet für die Zukunft. Mit dem Neubau in der Großen Langgasse setzen wir einen wichtigen Impuls für eine nachhaltige Stadtentwicklung in der Mainzer Innenstadt. Die Zeitkapsel symbolisiert dabei den Beginn eines Projekts, das urbane Qualität, Wohnen und Gewerbe miteinander verbindet und zeigt, wie wir unsere Stadt verantwortungsvoll weiterentwickeln. Dass wir mit dem Mainz Magazin auch an die größte Bibelseite der Welt erinnern, die hier in Mainz produziert wurde, macht deutlich: Innovation, Handwerk und kulturelle Bedeutung gehören seit jeher zu unserer Stadtgeschichte“, sagt Oberbürgermeister Nino Haase.
„Unsere Baustellen erzählen von der langen Geschichte dieser Stadt: von Römern und Kelten bis in die Gegenwart. Entscheidend ist jedoch, was wir heute gestalten: Räume zum Wohnen, zum Arbeiten und für das soziale Miteinander. Stadtentwicklung ist immer auch eine soziale Aufgabe. Mit dem Kinderstadtplan in der Zeitkapsel machen wir deutlich, dass wir die Perspektiven junger Menschen ernst nehmen und Verantwortung für die Lebensqualität zukünftiger Generationen übernehmen“, sagt Kinder- und Jugenddezernentin Jana Schmöller. „Als Aufsichtsratsvorsitzende der Wohnbau Mainz bin ich sehr dankbar über die Entscheidung der Gesellschafter aus dem Jahr 2025. Wir haben beschlossen, statt des ursprünglich angedachten Darlehens in Höhe von 40 Millionen € die Gesellschaft durch eine direkte Kapitaleinlage zu stärken und somit neue Wohnungen im Herzen der Mainzer Altstadt zu realisieren.“
Ein Blick in die Zeitkapsel
Die Inhalte der Zeitkapsel spiegeln sowohl die Arbeit der Wohnbau Mainz als auch den Alltag in Mainz im Jahr 2025 wider. Eingelagert wurden unter anderem:
- das aktuelle Organigramm der Wohnbau Mainz GmbH
- das 100 Jahre Wohnbau Mainz Buch
- die Allgemeine Zeitung aus Mainz sowie die BILD des heutigen Tages
- Preisbeispiele des täglichen Lebens, etwa Tankstellenpreise und Werbeblättchen verschiedener Supermärkte
- der Geschäftsbericht sowie der Mietenbericht 2025
- Zeichnungen von Bauherr und Architekt
- Fotografien aus der Archäologie, vom Bestand vor der Baumaßnahme sowie vom Abriss
- eine Flasche Wein als regionales Symbol
- Ausgabe des Mainz Magazins zum Thema „die größte Bibelseite der Welt“
- Kinderstadtplan von Mainz
All diese Gegenstände erzählen auf ihre Weise, wie Mainz heute lebt, baut, feiert und wirtschaftet.
Große Langgasse: Bauen mit Respekt vor der Altstadt
Die Zeitkapsel ist Teil eines umfangreichen städtebaulichen Projekts in der Mainzer Altstadt. Am westlichen Abschluss der Großen Langgasse entsteht derzeit ein sechsgeschossiger Neubau, der die historische Umgebung aufgreift und zugleich neuen Wohnraum schafft.
Im Bereich Große Langgasse / Steingasse werden nach dem Rückbau der Bestandsgebäude insgesamt 44 Wohnungen realisiert, davon 16 öffentlich gefördert und 28 freifinanziert. Im Erdgeschoss entstehen Gastronomie und vier Ladenlokale mit rund 540 Quadratmetern Nutzfläche. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stadtgestaltung: Die bisherige Parkplatzfläche wird in einen öffentlich zugänglichen Platz umgewandelt, der künftig als städtebaulicher Gegenpol zum Gisela-Thews-Platz den westlichen Abschluss der Großen Langgasse markiert. Der bestehende Baumbestand bleibt erhalten. Der Mietbeginn ist für Herbst 2027 geplant.
Ergänzend dazu ist das Wohnhaus Welschnonnengasse 7–9 umfassend modernisiert und aufgestockt. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren hat unter anderem einen Aufzug erhalten und eine neue Erschließung, nahezu alle Wohnungen wurden schwellenlos erreichbar saniert. Insgesamt entstehen dort 16 Wohneinheiten, davon 9 öffentlich gefördert. Das Gebäude ist bereits vollständig vermietet, erste Bewohnerinnen und Bewohner sind eingezogen oder folgen in den nächsten Wochen.
Ein Zeichen für Kontinuität und Verantwortung
Mit der Zeitkapsel setzt die Wohnbau Mainz ein bewusstes Zeichen: für Verantwortung gegenüber der Stadt, für gemeinschaftliches Arbeiten und für den Blick über das Heute hinaus.
„Mit der Zeitkapsel halten wir fest, wofür die Wohnbau Mainz steht: Verantwortung für die Stadt, für bezahlbares Wohnen und für eine lebenswerte Zukunft. Sie ist ein Gemeinschaftswerk unserer Mitarbeitenden und zeigt, dass Stadtentwicklung weit mehr ist als Beton und Baupläne – sie entsteht aus Ideen, Haltung und dem gemeinsamen Blick nach vorn. Die Große Langgasse verbindet dabei Geschichte und Zukunft der Mainzer Altstadt. Was wir heute bauen, soll auch morgen noch Bestand haben – baulich wie gesellschaftlich. Mit der Zeitkapsel geben wir kommenden Generationen einen ehrlichen Einblick in unsere Zeit und unterstreichen unseren Anspruch, Stadtentwicklung nachhaltig, sozial und mit Respekt vor dem historischen Umfeld zu gestalten“, so Roman Becker, Geschäftsführer der Wohnbau Mainz.
Wenn die Kapsel eines Tages geöffnet wird, wird sie davon erzählen, wie Mainz gebaut, gewohnt und gedacht hat – mitten im Herzen der Altstadt.